Stellvertreter wechselt auf Chefposten

Klaus Herrmann ist jetzt ärztlicher Direktor der DRV-Kliniken. Er übernahm den Posten von Wolfram Franke, der in den Ruhestand ging. Seit zehn Jahren war Herrmann bereits dessen ständiger Vertreter gewesen.

Im Januar 2005 kam Dr. Klaus Herrmann (54) als Assistenzarzt aus dem Westerwald an die Klinik Rhön der Deutschen Rentenversicherung. Vor zehn Jahren wurde er zum ständigen Vertreter von Dr. Wolfram Franke ernannt, dem ärztlichen Direktor der Kliniken Rhön und Saale (beide DRV Bund) sowie der Klinik Marbachtal (DRV Oldenburg-Bremen). Nach dessen Ausscheiden übernahm nun Herrmann am 1. März die ärztliche Leitung.

"Vielleicht war unsere gemeinsame Liebe zum Wein damals ein Einstellungskriterium", scherzt Klaus Herrmann in Erinnerung an sein Bewerbungsgespräch vor über 15 Jahren. Allerdings ist sein bisheriger Chef Wolfram Franke Liebhaber französischer Weine aus Burgund, er selbst bevorzugt dagegen die Vielfalt deutscher Rebsorten. Während seines Medizinstudiums in Marburg führte Herrmann in den 1990er Jahren sogar einen eigenen Weinhandel, qualifizierte sich zum amtlich bestellten Weinprüfer und veranstaltete Fachmessen und Weinfeste. "Ich bin guten Dingen gegenüber nicht abgeneigt", sagt er über sich. Dass die Ramsthaler Weingüter "gleich um die Ecke" liegen, ist eine der Gründe, weshalb sich der Mediziner in Bad Kissingen wohlfühlt. Doch weniger seine Erfahrung als Weinprüfer, sondern vielmehr seine ärztliche Qualifikation dürfte es gewesen sein, die 2005 für seine Anstellung als Assistenzarzt an der auf Psychosomatik spezialisierten Klinik Rhön entscheidend war.

In den ersten Semestern der Humanmedizin hatte Herrmann das Grundstudium der Psychologie absolviert. "Gerade die schwierigen Fälle, wenn ein Internist nicht weiterkommt, haben mich immer interessiert." Deshalb wählte er 1996 das Psychiatrische Krankenhaus in Gießen für den Start seiner Berufslaufbahn, wechselte aber vier Jahre später als Assistenzarzt für Innere Medizin an das DRV-Klinikum Westerwald in Altenkirchen.

Während seiner weiteren Karriere in Bad Kissingen erhielt er 2006 die Anerkennung als Internistischer Facharzt, schloss 2007 seine Promotion im Fachbereich Sozialpsychiatrie mit "magna cum laude" ab, wurde 2010 Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und qualifizierte sich zwischenzeitlich noch als Sozialmediziner, Ernährungsmediziner sowie Diabetologe . Derart umfassend erfahren, wurde Herrmann, der schon 2006 von der Klinik Rhön als Oberarzt an die Klinik Saale gewechselt hatte, schließlich dort 2017 zum Chefarzt befördert.

Die jetzt erfolgte Nachfolge als ärztlicher Direktor der drei DRV-Kliniken (508 Betten, 450 Mitarbeiter) kam nicht überraschend, sondern war intern seit Jahren vorherbestimmt. "Es gibt kaum Ärzte in Deutschland, die alle Fachbereiche unserer drei Kliniken - Internistik, Diabetologie und Psychosomatik - gleichermaßen als Facharzt abdecken." Dank des Jahrzehnts als Stellvertreter, der Kenntnis aller internen Arbeitsprozesse und Strukturen hat sich Herrmann in die übergeordneten Aufgaben des neuen Chefpostens schnell einfinden können. "Ungewohnt war anfangs nur die ständige Rotation durch drei Kliniken."

Anders als üblich ist auch der momentan von der Pandemie bestimmte Arbeitsalltag. Obwohl wegen gültiger Abstandsregeln in Gruppenräumen und Speisesälen nur 60 Prozent der Betten belegt sein dürfen, ist die Arbeit nicht weniger geworden, sondern hat sich in konzeptionelle Mehrarbeit und häufige Corona-Konferenzen verlagert. Gerade deshalb ist Herrmann als Koordinator der Rehakliniken im Rahmen des Katastrophenschutzes bei der Abstimmung wechselnder Corona-Vorgaben und -Maßnahmen aktuell besonders beansprucht. "Auf einem Quadratkilometer gibt es in Bad Kissingen 14 Rehakliniken; diese Dichte findet man sonst nirgendwo Deutschland", würdigt der Mediziner die Bedeutung Bad Kissingens als Gesundheitsstandort.

Neue Covid-Arbeitsgruppe

Aktuell ist Herrmann mit Kollegen hiesiger Kliniken dabei, im Zusammenwirken mit Oberbürgermeister Dirk Vogel ( SPD ), dem Bad Kissinger Zentrum für Telemedizin sowie den Professoren Heiner Vogel (Medizinische Psychologie) und Thomas Keil (Klinische Epidemiologie und Biometrie) von der Universität Würzburg eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe zur Versorgung von Long-Covid- und Post-Covid-Patienten aufzubauen, um solchen schwer erkrankten Patienten, von denen einige bereits in Bad Kissingen versorgt werden, "die bestmögliche Diagnostik und Therapie zu garantieren". Dieses Vorhaben soll, so ist die Planung, von den Wissenschaftlern begleitet und in einer Studie zusammengefasst werden. Auch wird überlegt, bei den nächsten Bad Kissinger Gesundheitstagen eine Vortragsreihe zu diesem Thema anzubieten.

Trotz neuer Verantwortung lässt es sich Klaus Herrmann nicht nehmen, auch künftig ehrenamtlich als Notarzt im Einsatz zu sein. "Das ist meine Leidenschaft, bei der ich schon seit 1998 intensive Erfahrungen sammeln konnte." Die verbleibende Freizeit nutzt er mit seiner Frau und den beiden britischen Welsh-Corgi-Hunden, die auf internationalen Ausstellungen schon Preise gewonnen haben, für ausgedehnte Spaziergänge in und um Bad Kissingen . "Ich liebe die Überschaubarkeit der Stadt, ihr Ambiente, die Natur, vor allem den hohen Freizeitwert bei gleichzeitig niedrigen Lebenshaltungskosten." Man sollte, so appelliert er an die Kissinger, "unbedingt alle zurückholen, die ihre Stadt einst verlassen haben".

Autor: Sigismund von Dobschütz

Stand: 17.03.2021

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