Hitze im Büro: Pflichten des Arbeitgebers

Mit den Sommer ist es so eine Sache: erst können wir es gar nicht erwarten, dass er kommt und dann stöhnen wir wegen zu großer Hitze. Das Wetter hält uns auf Trab - Nicht umsonst ist das Wetter sehr oft das Gesprächsthema Nummer eins. Wetter geht uns alle an – auch in Sachen Gesundheit.

Sommer = Sonne = Sauna im Büro – wenn draußen die Temperaturen, wie in den letzten Tagen, Spitzenwerte erreichen, dann wird es am Arbeitsplatz für viele unerträglich. Was waren das noch für schöne Schulzeiten, als man Hitzefrei bekam. Hitzefrei – gibt es das auch für Arbeitnehmer? Muss man arbeiten wenn die Raumtemperatur die 30-Grad-Marke überschritten hat?

Klar ist: Wenn die Temperaturen am Arbeitsplatz ein unerträgliches Maß erreichen, schwindet auch die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit der Arbeitnehmer. Zusätzlich wird das Herzkreislaufsystem enormen Belastungen ausgesetzt. Das alles sind Gründe, warum im Sommer gleichzeitig mit den Temperaturen auch das Unfallrisiko am Arbeitsplatz steigt.

Auch der Gesetzgeber ist sich dessen bewusst und hat in der Arbeitsstättenverordnung entsprechende Regelungen verankert. Der Arbeitgeber ist daher verpflichtet, bei extremen Temperaturen am Arbeitsplatz Maßnahmen zu ergreifen, um die Gesundheit der Arbeitnehmer zu schützen.

 

Lufttemperaturen bis +26 °C

Die seit 2010 gültige Verordnung schreibt vor,  dass in Arbeits- und Sozialräumen, die Höchsttemperatur von 26 Grad grundsätzlich nicht überschritten werden dürfen. Dies gilt allerdings nur, solange auch die Außentemperatur nicht 26 Grad übersteigt.

Führt eine übermäßige Sonneneinstrahlung dazu, dass auch bei Außenlufttemperaturen von nicht mehr als 26 Grad die zulässige Höchsttemperatur überschritten wird, muss der Arbeitgeber für eine Absenkung der Raumtemperatur sorgen. Dazu kann er zum Beispiel geeignete Sonnenschutzsysteme installieren, etwa Jalousien, hinterlüftete Markisen oder eine Sonnenschutzverglasung.

Lufttemperaturen bis +30 °C

Auch wenn die Temperaturen auf über +30 °C steigen muss weitergearbeitet werden, denn bis 30 °C sind Arbeitnehmer grundsätzlich weiterhin zur Erbringung ihrer Arbeitsleistung verpflichtet. Der Arbeitgeber soll in diesem Fall aber geeignete Sonnenschutzmaßnahmen und darüber hinaus gehende zusätzliche Maßnahmen ergreifen. Wohlgemerkt er soll!

Als geeignete Maßnahmen gelten unter anderem:

  • Lüftungseinrichtungen
  • Eine Lockerung der Bekleidungsregel
  • Bereitstellen von kühlenden Getränken
  • Verlagerung der Arbeitszeit

Lufttemperaturen von mehr als +30 °C

Und noch immer kein Hitzefrei – denn auch dann muss der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern kein „Hitzefrei“ geben! Aber während der Arbeitgeber bei Temperaturen von 26 bis 30 Grad lediglich geeignete Maßnahmen ergreifen "soll", besteht bei Überschreitung der 30-Grad-Marke in Arbeits- und Sozialräumen eine absolute Verpflichtung des Arbeitgebers, geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Lufttemperaturen von über +35 °C

Werden +35° C überschritten, ist ein Raum nicht mehr als Arbeitsraum zu gebrauchen. Auch die Raumtemperatur im Büro muss laut Arbeitsstättenverordnung also immer niedriger sein. Allerdings kann auch bei diesen Extremtemperaturen ausnahmsweise die Arbeitspflicht weiter fortbestehen.  Dies ist möglich wenn der Arbeitgeber Hitzeschutzkleidung zur Verfügung stellt oder besondere technische bzw. organisatorische Maßnahmen ergreift. Hierzu zählen Luftduschen, Wasserschleier, Entwärmungsphasen oder Hitzepausen.  

Wenngleich die gesetzlichen Hitzeschwellen zur Orientierung sicher hilfreich sind: jeder Mensch reagiert individuell auf hohe Temperaturen. Der eine fühlt sich bei +25° C gerade erst  richtig wohl, während dem anderen da schon die Gehirnzellen anschmoren. Grundsätzlich gilt: Wenn es ihm zu heiß wird, darf der Arbeitnehmer nicht einfach ohne Absprache eigene technische Vorkehrungen treffen oder gar nach Hause gehen. Steht er nicht gerade kurz vor dem Kreislaufkollaps, führt der erste Weg zur Besserung stattdessen ins Büro des Chefs.

 

10 Tipps für schnelle Maßnahmen

 

1. Luftige Kleidung

Tragen Sie luftige, helle Kleidung. Insbesondere Kleidung, welche die Feuchtigkeit gut aufnimmt und nach außen abgibt. Diese Kleidung macht die Hitze erträglicher. Auf Krawatten darf man bei großer Hitze gerne verzichten.

2. Kühlendes Wasser auf der Haut

Kühlen Sie sich zwischendurch ab, indem Sie die Hände unter fließendes kaltes Wasser halten und auch Nacken und die Schläfen benetzen. Das erfrischt herrlich. In der Drogerie gibt es auch entsprechende Sprays – ein Sprühstoss aus der Blumenspritze kann tolle Dienste leisten.

3. Viel Flüssigkeit

Trinken Sie ausreichend – am besten Wasser oder auch selbstgemachte Apfelschorle. Zwei bis drei Liter Flüssigkeit am Tag dürfen es schon sein, bei extremer Hitze auch mehr.

4. Leichtes für den Magen

Essen Sie leicht verdauliche Speisen, z. B. Salat, Obst. „Schwere“ Speisen belasten den Kreislauf. Auch eiskalte Getränke sollten Sie vermeiden, diese verursachen dem Magen bei hohen Außentemperaturen eher Stress.

5. der beste Freund in der Hitze: ein Ventilator

Wenn schon keine Klimaanlage vorhanden ist, verrichtet auch ein Ventilator recht gute Dienste und macht die Hitze zumindest erträglicher.

6. Ein weiterer Freund: Der Ausknopf

Schalten Sie sämtliche Geräte aus, die Wärme abgeben und nicht in Verwendung sind, z.B. den Drucker, der vielleicht nur einmal am Tag in Benutzung ist.

7. Kühle Morgenluft

Wenn Sie am Morgen ins Büro kommen, öffnen Sie alle Fenster weit und lassen Sie die kühle Morgenluft in den Raum. Wird es dann wärmer, können Sie die Fenster wieder schließen.

8. Sperren Sie die Sonne aus

Lassen Sie die Jalousien frühzeitig herunter – die Sonnenstrahlen erwärmen den Raum zusätzlich.

9. „Morgenstund hat Gold im Mund“

Nutzen Sie flexible Arbeitszeiten aus – Wenn es in Ihrem Betrieb keine flexiblen Arbeitszeiten gibt bieten Sie Ihren Mitarbeitern während der Hitzewelle Sonderregelungen an (wo dies möglich ist.)

10. Ein kühlendes Fußbad

Eine kleine Wanne mit kaltem Wasser für die Füße kann wahre Wunder wirken.

 

 

Autor: Cornelia Hohenstein

Stand: 01.06.2017

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