Behandlung von Corona-Langzeitfolgen

VPKA fordert schnellen Zugang zu Rehabilitation und Nachsorge bei Long Covid

München – Der Verband der Privatkrankenanstalten in Bayern e.V. (VPKA) unterstützt den Appell von Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, Kliniken, Ärzte und vor allem auch Reha-Einrichtungen stärker bei der Behandlung von Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung zu unterstützen. Wichtig sei es, betroffenen Patienten einen schnellen Zugang zu Rehabilitation und Nachsorge zu ermöglichen, um chronische Verläufe zu vermeiden. Im Zuge dessen müssten die bundesrechtlichen Rahmenbedingungen der Finanzierung gegebenenfalls nachgebessert werden.

Experten gehen davon aus, dass 10 bis 20 Prozent der Covid-19-Patienten unter Langzeitfolgen, dem sogenannten „Post-Covid-Syndrom“ bzw. „Long Covid“ leiden. „Das Krankheitsbild und die Einschränkungen sind sehr vielseitig und die Stärke ist sehr unterschiedlich ausgeprägt“, weiß Andreas Nitsch, der Geschäftsführer der Fachklinik Allgäu, einer Fachklinik für Psychosomatik und Pneumologie, die zu den mehr als 170 Mitgliedern des VPKA zählt. Zu den Symptomen gehören etwa Lungenfunktionsstörungen, Herzbeschwerden, Fatigue, Schmerzen, Depressionen, Angstzustände u.v.m., mit oftmals langfristigen und massiven negativen Auswirkungen auf den Lebens- und Berufsalltag der Betroffenen. „Im Vergleich zu unseren pneumologischen Patienten, ist für die Post-Covid-Reha eine umfassendere und zumeist längere Behandlung nach einem zielgerichteten, bedarfsangepassten und häufig interdisziplinären Konzept nötig“, so Andreas Nitsch. Ein solches Konzept habe sein Haus schon im Mai 2020 entwickelt und seither rund 400 entsprechende Rehabilitationen bzw. Anschlussheilbehandlungen durchgeführt - Tendenz steigend.

Angesichts der im weiteren Pandemieverlauf voraussichtlich deutlich zunehmenden Problematik, fordern Gesundheitsminister Klaus Holetschek wie auch der VPKA nun die schnelle und flächendeckende Etablierung einer fundierten Nachsorge und Rehabilitation. Den Patienten müssten einfache Zugänge zu ambulanten Beratungs- und Behandlungsangeboten ermöglicht werden. Hier könnten auch Long-Covid-Ambulanzen an geeigneten stationären Reha-Einrichtungen einen wesentlichen Beitrag leisten. Dazu seien Ambulanzermächtigungen für die entsprechenden Reha-Einrichtungen ebenso notwendig wie eine konsequente Antragsstellung seitens der Einweiser und eine schnelle Bearbeitung durch die Kostenträger. Für die Einrichtungen selbst sei eine unkomplizierte Abrechnung ohne großen bürokratischen Aufwand wünschenswert.
Aus Sicht des VPKA besteht bei folgenden Punkten noch Klärungsbedarf:

  • Vergütung, insbesondere bei interdisziplinärem Ansatz
  • Ist die vorhergesehene Regeldauer der Reha-Maßnahme in der jeweiligen Indikation ausreichend?
  • Sind ggf. Intervallbehandlungen bzw. bei chronischem Verlauf jährliche Maßnahmen notwendig?
  • Definition von Long Covid-Syndromen und dem entsprechenden Behandlungsbedarf sowie besonders geeigneten Indikationsbereichen

Andreas Nitsch ergänzt: „Bei alledem muss zugleich dem Fachkräftemangel besser entgegengewirkt werden. Dazu ist beispielsweise eine schnelle Anerkennung von ausländisch qualifizierten Ärzten, examinierten Pflegekräften und Physiotherapeuten wichtig. Uns liegen Bewerbungen von guten Fachkräften vor, die nur nicht in ihrem Beruf arbeiten dürfen, weil die Anerkennung vom zuständigen Amt viele Monate dauert und diese Ämter schlecht erreichbar und seit Jahren überlastet sind. Die Folge ist, dass gute Fachkräfte nicht warten wollen und in andere Bundesländer oder Länder abwandern. Somit gehen Bayern aufgrund des `Flaschenhalses´ und der aufwändigen Bürokratie wertvolle Fachkräfte verloren, die in den Kliniken dringend benötigt werden.“

Autor: VPKA - Verband der Privatekrankenanstalten

Stand: 19.05.2021

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