Elly Heus-Knapp-Stiftung: Deutsches Müttergenesungswerk

Das Deutsche Müttergenesungswerk (MGW) wurde 1950 von Elly Heuss-Knapp, der Ehefrau des ersten Bundespräsidenten, gegründet und steht bis heute unter der Schirmherrschaft der Frau an der Seite des Bundespräsidenten.

Logo Müttergenesungswerk

Mütter sind wichtige Stützen der Gesellschaft. Ziel des Müttergenesungswerks ist die Gesundheit und Gesunderhaltung von Müttern. Die Arbeit der gemeinnützigen Stiftung beruht maßgeblich auf Spenden und Erbschaften.

Unter dem Dach des Müttergenesungswerks arbeiten die fünf Wohlfahrtsverbände bzw. deren Arbeitsgemeinschaft/Fachverband zusammen: Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V., Paritätischer Gesamtverband e.V., Deutsches Rotes Kreuz e.V., Ev. Fachverband für Frauengesundheit e.V. und Katholische Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung e.V. Bundesweit gibt es in über 70 vom Müttergenesungswerk anerkannten Kliniken Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter und Mütter mit Kindern. Zudem stehen bundesweit rund 1.200 Beratungsstellen für Fragen rund um Kurmaßnahmen zur Verfügung.

Mit der „Zustiftung Sorgearbeit“ hat das Müttergenesungswerk seine Arbeit auf Väter und auf pflegende Angehörige ausgeweitet. Auch hier hilft das Müttergenesungswerk mit Spenden und besonderen Kurmaßnahmen.

Für wen ist eine Mütter- oder Mutter-Kind-Maßnahme bzw. Vater-Kind-Kurmaßnahme geeignet?

Mütter sind in unserer Gesellschaft erheblich belastet. Im Spannungsfeld von ständigen Anforderungen und Überforderungen einerseits und mangelnder Entlastung und Regeneration andererseits, entwickeln viele Mütter Gesundheitsprobleme, die im direkten Zusammenhang mit den geschlechtsspezifischen Beanspruchungen und Belastungen (Kontextfaktoren) in der Familie stehen. Negativ wirkende Kontextfaktoren sind zum Beispiel:

  • Mehrfachbelastungen durch Beruf und Familie
  • Pflege von Familienangehörigen
  • alleinerziehend
  • Erziehungsschwierigkeiten, mangelnde Erziehungskompetenz
  • Erhöhter Betreuungsaufwand durch häufig oder chronisch erkrankte, verhaltensauffällige, behinderte Kinder, frühgeborene Kinder, Mehrlingsgeburten
  • beeinträchtigte Mutter-/Vater-Kind-Beziehung
  • mangelnde Unterstützung bei der Kindererziehung
  • fehlende Anerkennung der Mutter-/Vater-Rolle
  • ständiger Zeitdruck
  • drohender Arbeitsplatzverlust, Arbeitslosigkeit
  • soziale Isolation
  • Partner-/Eheprobleme, Trennung vom Partner
  • Tod des Partners oder naher Angehöriger
  • Nicht gleichberechtigte Stellung der Frau/des Mannes in der Familie


Jeder einzelne dieser Kontextfaktoren kann mitverantwortlich für das Auftreten bzw. die Verschlimmerung einer Gesundheitsstörung oder Erkrankung sein. Häufige Gesundheitsstörungen sind zum Beispiel:
Abgeschlagenheit, Anpassungsstörungen, Stimmungsschwankungen, Unruhe und Angstgefühle, Gereiztheit, aber auch funktionelle Störungen wie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Schlafstörungen, Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burnout-Syndrom.

Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme?

Bei Vorsorgemaßnahmen nach § 24 SGB V liegen Gesundheitsstörungen vor, die in Verbindung mit negativen Einflüssen aus dem Lebenshintergrund der Mutter oder des Vaters ohne die Einleitung gesundheitsfördernder Maßnahmen zu einer Krankheit führen können. Ein komplexer Behandlungsansatz ist erforderlich, damit drohende Beeinträchtigungen der Aktivitäten verhindert werden.

Bei Rehabilitationsmaßnahmen nach § 41 SGB V ist auf Grund der Schädigungen und Beeinträchtigungen der Aktivität und der Teilhabe über die kurative Versorgung hinaus der mehrdimensionale, interdisziplinäre Ansatz der medizinischen Rehabilitation erforderlich.

Bei Maßnahmen nach §§ 24 und 41 SGB V ist die geschlechtsspezifische Beanspruchung und die Belastung in der Familie anhand der vorliegenden Kontextfaktoren zu berücksichtigen; sie belegen die Notwendigkeit des spezifischen Therapieangebots.

Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen sind gesetzlich geregelt. Für Frauen und Männer in Familienverantwortung gelten dazu die §§ 24 und 41 SGB V, aus denen sich ein Anspruch auf eine medizinische Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme ergibt, wenn diese medizinisch indiziert ist. Krankenkassen und Medizinische Dienst der Krankenkassen müssen sich bei der Bearbeitung der Anträge an die Vorgaben der Begutachtungsanleitung „Vorsorge und Rehabilitation“ halten.

Für Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen nach §§ 24 und 41 SGB V gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“ ausdrücklich nicht.

Die Aufenthaltsdauer beträgt in der Regel drei Wochen, in medizinisch notwendigen Fällen kann sie auch verlängert werden. Der Wiederholungszeitraum zwischen zwei Maßnahmen umfasst vier Jahre. Auch hier sind medizinisch begründete Ausnahmen möglich.

Versicherte, die eine Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme nach §§ 24 oder 41 SGB V beantragen, haben ein Wunsch- und Wahlrecht, das hat der Gesetzgeber mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz explizit gestärkt. Die Krankenkassen müssen bei der Wahl der Einrichtung die berechtigten Wünsche der Versicherten berücksichtigen. Die Auswahl der Klinik ist eine wichtige Voraussetzung für den gesundheitlichen und nachhaltigen Erfolg der Kurmaßnahme. Neben den Indikationen gibt es weitere wichtige Kriterien für die Klinikauswahl: zum Beispiel bestimmte Therapieformen, ein seelsorgerisches Angebot, Bedingungen der Kinderbetreuung, bestimmte Schwerpunktmaßnahmen oder auch die Größe oder die Entfernung der Klinik vom Wohnort.

So hilft das Müttergenesungswerk

Das besondere Angebot des Müttergenesungswerks liegt in der integrierten Versorgung. Es hält ein Gesundheitsnetzwerk bereit, in dem Beratung, Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen und Nachsorge eng miteinander verzahnt sind. Die Therapeutische Kette ist die Gewähr für langfristige gesundheitliche Erfolge. Rund 1.200 Beratungsstellen bei den Wohlfahrtsverbänden im MGW-Verbund unterstützen bei der Antragstellung, Klinikauswahl und Nachsorge.

Therapeutische Kette des Müttergenesungswerks

Therapeutische Kette - MGW

Das MGW-Qualitätssiegel

Das MGW-Qualitätssiegel

Seit seiner Gründung gibt das Müttergenesungswerk für die anerkannten Kliniken Qualitätsstandards vor. Alle Kliniken im MGW-Verbund haben das MGW-Qualitätssiegel. Die Qualitätskriterien des MGW sind zusätzlich zu den gesetzlichen Bestimmungen gültig. Sie unterstreichen das spezifische Profil der Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen in den vom Müttergenesungswerk anerkannten Kliniken. Eckpfeiler der MGW-Qualitätskriterien sind:

  • Ganzheitlichkeit
  • Geschlechtsspezifik
  • feste Kurgruppe als therapeutisches Mittel
  • geführte Mutter-/Vater-Kind-Interaktionen
  • qualifizierte Kinderbetreuung
  • Therapeutische Kette

Kliniken, die Väter und/oder pflegende Angehörige aufnehmen, arbeiten auch nach den väterspezifischen Qualitätskriterien und/oder den Qualitätskriterien für pflegende Frauen und pflegende Männer.

Angebot der Kliniken im MGW-Verbund

Die vom MGW anerkannten Kliniken bieten ganzheitliche und geschlechtsspezifische Angebote. Dabei liegt der Fokus vor allem auf den Symptomkonstellationen und deren vielschichtigen Ursachen. Körperliche, psychische und soziale Aspekte von Krankheiten und Beschwerden werden integriert behandelt, wobei die gesamte Lebenssituation der Frauen dabei Ausgangspunkt aller medizinischen und therapeutischen Maßnahmen ist. Die Frauen sollen durch die Therapien in die Lage versetzt werden, Zusammenhänge zwischen ihren belastenden Lebensumständen und ihren Erkrankungen zu erkennen. Ziel ist es, sie bei der Entwicklung eines positiven Gesundheitsbewusstseins und adäquater Bewältigungsmechanismen zu unterstützen.

Ausgehend von der gesundheitlichen und persönlichen Lebenssituation wird mit jeder Frau ein individueller Therapieplan erstellt. Dieser umfasst je nach Bedarf:

  • Medizinische Diagnostik und Behandlung
  • Prozessorientierte psychosoziale Therapien
  • Physiotherapie
  • Bewegungs- und Entspannungstherapie
  • Ernährungsberatung
  • Kreativangebote
  • Mutter-Kind-Interaktionsangebote
  • Beratung und Initiierung weiterführender Maßnahmen

Das Indikationsspektrum der vom MGW anerkannten Kliniken umfasst unter anderem:

  • Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten
  • Psychische und Verhaltensstörungen
  • Krankheiten des Nervensystems
  • Krankheiten des Kreislaufsystems
  • Krankheiten des Atmungssystems
  • Krankheiten des Verdauungssystems
  • Krankheiten der Haut und der Unterhaut
  • Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes
  • Krankheiten des Urogenitalsystems
  • Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien

Mütter-/Mutter-Kind-Maßnahmen

Viele Kliniken bieten spezielle Schwerpunktmaßnahmen an, um auf Krankheiten oder spezifische Lebensumstände von Müttern gezielter eingehen zu können. Dazu gehören beispielsweise Angebote für Mütter:

  • mit behinderten Kindern
  • mit pflegebedürftigen Angehörigen
  • mit suchtkranken Familienangehörigen
  • mit MS
  • nach einer Krebsbehandlung
  • die allein Alleinerziehende sind
  • die Soldatinnen und Angehörige von Soldaten sind
  • zur Trauerverarbeitung

Mütter- und Mutter-Kind-Maßnahmen werden in den vom MGW anerkannten Kliniken nach mütterspezifischen Konzepten durchgeführt.

Müttermaßnahmen bieten Frauen (ohne Kinder) die Möglichkeit, sich ganz auf die eigene Gesundheit und die eigenen Bedürfnisse zu konzentrieren. Sie können hier Abstand gewinnen, Alltag und Mehrfachbelastungen hinter sich lassen und neue Wege für sich finden. Bei einer Mütterkur unterstützt die Beratungsstelle im Vorfeld bei der Klärung der Versorgung der Kinder oder pflegebedürftiger Angehöriger zu Hause.

Mutter-Kind-Maßnahmen kommen in Betracht, wenn das Kind behandlungsbedürftig ist, eine Trennung von der Mutter zu psychischen Störungen des Kindes führen kann, die Mutter-Kind-Beziehung verbessert werden soll, eine besondere familiäre Situation vorliegt oder das Kind nicht anderweitig betreut und versorgt werden kann.
Die Kinder erhalten ggf. eigene medizinische Anwendungen und werden pädagogisch betreut. Schulausgleichsangebote und Hausaufgabenbetreuung sind die Regel in Mutter-Kind-Einrichtungen im MGW-Verbund. Die zusätzlichen Mutter-Kind-Interaktionsangebote eröffnen die Möglichkeit, die Mutter-Kind-Beziehung neu zu erleben.

Das Indikationsspektrum der vom MGW anerkannten Kliniken, die Kinder aufnehmen umfasst unter anderem:

  • Krankheiten des Atmungssystems
  • Krankheiten der Haut und der Unterhaut
  • Psychische und Verhaltensstörungen
  • Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten
  • Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien

Vater-Kind-Maßnahmen

Vater-Kind-Maßnahmen werden in ca. 20 vom MGW anerkennten Kliniken nach väterspezifischen Konzepten durchgeführt:

  • als reine Vater-Kind-Maßnahme: es befinden sich ausschließlich Väter und ihre Kinder in einem Kurdurchgang.
  • als parallele Vater-Kind-Maßnahme: in einer Vater-Kind-Gruppe von mindestens fünf Vätern zeitgleich zur Mutter-Kind-Maßnahme in der Klinik.

In beiden Fällen ist der Austausch mit anderen Vätern ein wichtiges Element der Maßnahme.

Maßnahmen für pflegende Angehörige

Pflegende Frauen in Erziehungsverantwortung können eine Kurmaßnahme nach §§ 24 und 41 SGB V beantragen. Kurmaßnahmen für pflegende Frauen, die sich nicht in der Erziehungsverantwortung befinden, sind entsprechend dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) nach §§ 23 und 40 SGB V geregelt und können in vom MGW anerkannten Kliniken durchgeführt werden.

Therapieeffekte

Der gesundheitliche Erfolg der Maßnahmen in den vom MGW anerkannten Kliniken ist wissenschaftlich erwiesen. Der Forschungsverbund Familiengesundheit der Medizinischen Hochschule Hannover hat dazu Untersuchungen durchgeführt und Veröffentlichungen vorgelegt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die ausgeprägten Eingangsbelastungen deutlich reduzieren und eine Übertragung der Kurerfolge in den Alltag gelingt. Dazu gehören eine Verminderung von Erschöpfung, besserer Umgang mit sozialen Problemen und die Stärkung der Erziehungskompetenz. Darüber hinaus werden nach Ende des Aufenthalts weniger Medikamente genommen; es fallen weniger Krankheitstage und Arztbesuche an. Auch der allgemeine Gesundheitszustand der Kinder hat sich nach Beendigung signifikant verbessert.

Weitere Informationen: Bundesweit einheitliches Verordnungsformular

Seit dem 1. Oktober 2018 gibt es ein bundesweit einheitliches Verordnungsformular für medizinische Vorsorgemaßnahmen nach § 24 SGB V für Mütter/Mutter-Kind und Väter/Vater-Kind (Muster 64). Alle Kinder, die an der Mutter-Kind- oder Vater-Kind-Kurmaßnahme teilnehmen, sind auch auf dem Vorsorge-Verordnungsformular der Mutter/des Vaters mit aufzuführen. Für die teilnehmenden Kinder mit Gesundheitsproblemen gibt es das neue „Ärztliche Attest Kind“ (Muster 65). Dieses ist beizufügen bei Gesundheitsstörungen (z. B. psychische Auffälligkeiten), Erkrankungen ebenso wie zum Beispiel bei Behinderungen und/oder Entwicklungsverzögerungen.

Die neuen Verordnungsformulare sind in den Praxisverwaltungssystemen der Vertragsärzte hinterlegt oder können per Blankoformularbedruck ausgestellt werden.

ÄrztInnen finden unter www.muettergenesungswerk.de Informationen zum Müttergenesungswerk und seinen Angeboten. Zudem gibt es eine Übersicht aller vom MGW anerkannten Kliniken mit ihrem gesamten Leistungsspektrum und Adressen sowie aller Beratungsstellen im MGW-Verbund. Informationsmaterial kann auf der Website und bei der Geschäftsstelle des Müttergenesungswerks bestellt werden.

Um die ganzheitliche Ausrichtung der Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen im Verbund des Müttergenesungswerks sowie eine umfassende Betreuung und einen nachhaltigen Erfolg der Therapie zu sichern, ist das Müttergenesungswerk auf Spenden angewiesen. Nur mit Unterstützung großzügiger Menschen kann Müttern, Vätern und pflegenden Angehörigen, unabhängig vom Einkommen, eine Kurmaßnahme ermöglichst werden.

Spendenkonto
IBAN: DE13 7002 0500 0008 8555 04
BIC: BFSWDE33MUE

oder online unter: www.muettergenesungswerk.de/spenden

Elly Heuss-Knapp-Stiftung
Deutsches Müttergenesungswerk
Bergstraße 63
10115 Berlin
Telefon: 030 3300290
Fax: 030 330029-20

Kurtelefon: 030 330029-29
E-Mail: info@muettergenesungswerk.de
Website: www.muettergenesungswerk.de

 

Autor: Müttergenesungswerk

Stand: 01.12.2018

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