Sucht kennt kein Alter

40 Jahre Therapie: Johannesbad Fachklinik Fredeburg ist Vorreiter in der individuellen Behandlung von abhängigen Senioren, jungen Süchtigen und Frauen

Alkohol, Cannabis, Medikamente, Glücksspiel – sie alle können in die Sucht führen. Oft leiden Betroffene unter mehr als einer Abhängigkeit. In den vergangenen 40 Jahren hat die Johannesbad Fachklinik Fredeburg 37.000 Patienten mit diesen Indikationen behandelt. Zum Jubiläum veranstaltete die Einrichtung in Bad Fredeburg am Dienstag, 13. September 2016, eine Fachtagung zu „Aktuellen Fragestellungen in der Behandlung Suchtkranker“. Sucht und Alter, Sucht und Trauma, Sucht und Depression waren die drei Hauptthemen der Veranstaltung für Ärzte und Therapeuten.

Immer noch machen Alkoholabhängige den größten Teil der Suchtpatienten in der Johannesbad Fachklinik Fredeburg aus. Jedes Jahr werden hier rund 1.000 Betroffene therapiert. „Die Erfolgsquote ist dabei überdurchschnittlich gut“, sagt Chefarzt Dr. med. Dieter Geyer. Sein Team geht in der Behandlung auf spezielle Patientengruppen wie Frauen, Senioren und junge Menschen ein. „Die Therapie ist auf den einzelnen Patienten mit seinen persönlichen Defiziten und Problemen, aber auch mit seinen Stärken und Fähigkeiten ausgerichtet“, beschreibt Dr. Dieter Geyer das Konzept der Fachklinik.

Vorreiter bei altersspezifischer Therapie

Die Johannesbad Fachklinik Fredeburg hat als erste Suchtklinik bereits Ende der 70er Jahre Angebote für ältere Suchtkranke etabliert. Dr. Dieter Geyer erinnert: „Das galt als revolutionär, denn damals herrschte die Meinung vor, eine Therapie bei Alkoholikern über 50 Jahren bringe kaum Erfolg.“ Seit 1978 entwickelt die Johannesbad Fachklinik Fredeburg Behandlungskonzepte und Versorgungsstrukturen für ältere Suchtkranke. So koordinierte der Chefarzt ein vom Bundesministerium für Gesundheit gefördertes Projekt zur regionalen Vernetzung der Suchtkranken- und Altenhilfe – mittlerweile wird dies erfolgreich umgesetzt. Die Behandlung älterer Suchtkranker erfolgt heute in einem von fünf Behandlungsteams mit insgesamt 48 Patienten – nach Alter geordnet. „Dabei umfasst unsere älteste Gruppe Patienten mit einem Durchschnittsalter von über 70 Jahren“, erklärt Dr. Dieter Geyer. Ergebnisse dieser Behandlung stellte der Chefarzt in der vergangenen Woche auf dem Deutschen Suchtkongress in Berlin vor.

1983 folgte die spezialisierte Behandlung Abhängiger zwischen 18 und 25 Jahren. „Menschen ab 55 Jahren litten und leiden häufig unter Altersstress, der durch Frühpensionierung, Arbeitslosigkeit, Verlust des Partners oder der Kinder durch Tod oder Scheidung bedingt ist“, sagt der Spezialist. Ältere greifen meist zu Alkohol oder Medikamenten als Suchtmittel. „Jugendliche Süchtige dagegen haben mit Traumatisierungen, Gewalterfahrung, Persönlichkeitsstörungen oder Arbeitslosigkeit zu kämpfen.“ Diese würden häufig zu illegalen Drogen greifen oder seien von Essstörungen oder pathologischem Glücksspiel betroffen.

Frauen sind anders abhängig als Männer

Anfang der 90er Jahre folgte die geschlechterspezifische Therapie. „Im Vergleich zu Männern entwickeln Frauen häufiger eine Medikamentenabhängigkeit. Auch eine kombinierte Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten ist bei Frauen häufiger“, erklärt der Chefarzt. Außerdem versuchen Frauen häufiger als Männer, mit der Einnahme von Suchtmitteln psychische Beschwerden zu unterdrücken. Etwa ein Drittel der Patienten der Johannesbad Fachklinik Fredeburg sind Frauen. Sie erfahren je nach Indikation in gemischt-geschlechtlichen Gruppen, differenziert nach Alter für Juniorinnen von 18 bis 25 Jahren oder Seniorinnen ab 55 Jahren oder in einer reinen Frauengruppe Therapie.

Die Johannesbad Fachklinik Fredeburg individualisierte in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Behandlung weiter und ging auf spezielle Gruppen ein wie beispielsweise auf Menschen mit depressiven oder psychotischen Erkrankungen und Sucht oder auf Patienten, die an ADHS und Sucht leiden. Spezifische Behandlungskonzepte für sogenannte Verhaltenssüchte wie beispielsweise die Spielsucht entwickelte die Fachklinik ebenso wie spezielle Trainingsmaßnahmen für die Rückführung Suchtkranker in das Erwerbsleben.

Von der Sucht zu den Süchten

Dr. Dieter Geyer verzeichnet einen Wandel in Bezug auf Abhängigkeitserkrankungen in den vergangenen 40 Jahren: „Während allmählich ein Umdenken in der Bevölkerung stattfindet, also Alkohol und Tabak als gefährliche und potenziell tödliche Suchtmittel akzeptiert werden, häuft sich bei den Behandlungssuchenden der Mehrfachkonsum, also die gleichzeitig vorliegende Abhängigkeit von Alkohol, Cannabis und Amphetaminen.“ Neue Suchtmittel wie „Legal Highs“, chemisch hergestellte, zum Teil noch frei verkäufliche Suchtmittel, kommen hinzu. Dieser Entwicklung haben sich die Suchttherapeuten in der Johannesbad Fachklinik Fredeburg angepasst. Sie vertieften vor allem die enge Vernetzung und Kooperation mit anderen Institutionen, die an der Versorgung Suchtkranker beteiligt sind. „Seit vielen Jahren arbeiten wir vertrauensvoll mit ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen und Abteilungen der qualifizierten Entgiftung zusammen – das ist unsere Stärke“, sagt Dr. Dieter Geyer.

 

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40 Jahre besteht die Johannesbad Fachklinik Fredeburg – bei einer Fachtagung anlässlich des Jubiläums sprachen Ärzte und Therapeuten über die Behandlung Suchtkranker. Mit dabei waren Professor Dr. rer. soc. Gerhard Bühringer, Inhaber der Professur des einzigen psychologischen Lehrstuhls für Suchtforschung (Institut für klinische Psychologie und Psychotherapie, Technische Universität Dresden), Christel Lüdecke, Chefärztin Asklepios Fachklinikum Göttingen, Dr. med. York Dhein, Vorstandsvorsitzender der Johannesbad Gruppe, Bernhard Halbe, Bürgermeister der Stadt Schmallenberg, Dr. med. Dieter Geyer, Chefarzt Johannesbad Fachklinik Fredeburg, und Professor Dr. med. Reinhart Schüppel, Chefarzt Johannesbad Fachklinik Furth im Wald.

 


Quelle Text und BIld: Johannes Holding AG & Co. KG

 

 

 

 

 

 

 

 

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