Kursangebote in Ghana - bestens angenommen

Dieser Einsatzbericht schildert meine persönlichen Erfahrungen als Gastarzt, dem mit Unterstützung der deutschen Hilfsorganisation German Rotary Volunteer Doctors (GRVD) e. V. die Möglichkeit geboten wurde, über den Tellerrand zu schauen".

 

Das Hospital befindet sich in der Ortschaft Akwatia, Eastern Region, etwa 120 km nordwestlich der Hauptstadt Accra.
Es ist eines von zwei Krankenhäusern in einem ländlichen Distrikt mit ca. 240 000 Einwohnern.
Das 330-Betten- Haus verfügt über alle wesentlichen Stationen der Chirurgie, Inneren Medizin, Gynäkologie und Geburtshilfe (mehr als 3000 Geburten pro Jahr!} und Pädiatrie sowie über eine im weiten Umkreis bekannte Augenklinik.

Dank der perfekten Organisation durch den GRVD und der vorbereitenden Einstimmung durch einen internistischen Kollegen, der schon oft in Akwatia/Ghana tätig war und dort u. a. die Endoskopie-Abteilung aufbaute, ließ sich mein seit einigen Monaten geplanter freiwilliger Einsatz in Westafrika in die Tat umsetzen.
Trotz eines verpassten Anschlussfluges und der dadurch entstandenen Verzögerung um 24 Stunden wurde mir der Beginn mit der herzlichen Aufnahme im St. Dominic's  Hospital Akwatia  erleichtert.

Während des gesamten Aufenthaltes erhielt ich Unterstützung durch einheimische Klinikmitarbeiter von der Verwaltung über den Service bis zum medizinischen Bereich, so dass ich mich effektiv in den internistischen Klinikalltag  einbringen konnte. Bei dem relativ kurzen  Einsatz vom  18.11. bis 03.12.2015 war es auch im Rückblick außerordentlich wichtig, gut vorbereitet einzusteigen und mitzuwirken.
Aus diesem Grunde führte ich auch verschiedene Kursangebote auf einem Laptop mit, die auf englischsprachiger Fachliteratur im Kindle-Format basieren und sich für PC-Präsentationen besonders eignen. Diese Angebote wurden von den hoch motivierten Ärzten und medizinischen Assistenten vor Ort gern und regelmäßig wahrgenommen.
Zum Einsatz gelangten ein EKG-Kurs nach J. R. Hampton (Churchill Livingston Elsevier: "The ECG - Made Easy" und "The ECG in Practice") und ein Medikamenten-Kurs nach Richards/Duncan (Oxford Handbooks: "Oxford Handbook of Practical Drug Therapy"). Darüber hinaus ergab sich die Möglichkeit, an einem bestimmten Tag einen vorbereiteten PowerPoint-Vortrag zum Thema „Cytology of body cavity effusions" mit eigenen Fallbeispielen und anschließender Diskussion im Rahmen des hausinternen Fortbildungsprogramms zu halten.

Sehr interessant gestalteten sich die gemeinsamen Visiten auf den internistischen Stationen unter der Leitung eines 30-jährigen einheimischen Arztes, der die internistische Patientenentenversorgung absicherte und meinen Einsatz überhaupt erst möglich machte.

Neben allgemein-internistischen Krankheitsbildern mit z. T. dramatischen Verläufen war eine Schlangenbiss-Verletzung mit generalisierten schweren Auswirkungen besonders eindrucksvoll. Auch die Teilnahme an endoskopischen und sonografischen Untersuchungen wurde mir ermöglicht, wobei ich einige Ultraschalluntersuchungen z. B. von Pleuraergüssen selbst demonstrieren konnte.

Der Aufenthalt im St. Dominic's Hospital kam sowohl dem Krankenhaus als auch mir zugute. Ich habe selbst viel gelernt und durchaus auch meine Grenzen erfahren. Es gestaltete sich vorteilhaft, im Rahmen eines von einer Hilfsorganisation organisierten Aufenthaltes nicht allein zu sein und Unterstützung durch die immer sehr hilfsbereiten einheimischen Mitarbeiter und anderen freiwilligen Einsatzkräfte zu erhalten.
Während meiner Einsatzzeit waren weitere ärztliche Einsatzkräfte und Gesundheitshelfer aus Deutschland zugegen, die auch an medizinischen  Fortbildungen,  Untersuchungen und Visiten teilnahmen  und diese bereicherten.

Wie wichtig weiterhin die ausländische Hilfe für Ghana ist, lässt sich am Fehlen sowohl des leitenden Internisten als auch des leitenden Chirurgen vor Ort während meiner Zeit ablesen.
Nur durch das vorhandene in- und externe Engagement aller an der Patientenversorgung Beteiligten kann der Klinikbetrieb derzeit aufrechterhalten werden. Besonders belastend ist die nicht gesicherte Bezahlung der einheimischen Krankenhausmitarbeiter durch die aktuelle Insolvenz einer Ghanaischen Krankenversicherungsgesellschaft, die zur unsicheren Lage und speziell zu offenen Stellen in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen des Landes beiträgt.

Der medizinische und medizintechnische Fortschritt macht auch in den Entwicklungsländern nicht Halt und findet seinen Niederschlag zum Beispiel in Akwatia in der erst kürzlich mit Hilfe des GRVD e.V. aufgebauten Endoscopy Unit.
Die Einrichtung einer interdisziplinären ITS/ICU im St. Dominic's Hospital wäre ebenso wünschenswert,  um Patienten, die einer intensivmedizinischen Behandlung bedürfen, gerecht zu werden.

Vor allem sollten aber Bedingungen geschaffen werden, die es den einheimischen Fachkräften ermöglichen und ihnen Anreiz geben, in ihrem Lande zu bleiben, sich dort weiterzuentwickeln und nicht nach Europa zu streben. Dazu wäre die verstärkte Investition der europäischen Länder in die Infrastruktur, in die medizinische Versorgung und besonders in das Know-how der Menschen in den Entwicklungsländern vonnöten.
Die jungen Ärzte in Akwatia sind an der Aus- und Weiterbildung sehr interessiert und bringen sich mitunter in ihrer Freizeit mit Hilfe von Selbstlernmaterialien auch erste Sätze in der zunehmend geschätzten deutschen Sprache bei.

Nach einer vereinbarten Fachausbildung im europäischen Ausland, zum Beispiel in Deutschland, sollte die Rückkehr der Ausgebildeten  in die Heimatländer jedoch verpflichtend  bleiben. Nur so  kann langfristig dem  Drang zur  Auswanderung
der wenigen Fachkräfte und dem Flüchtlingsansturm in Europa nachhaltig entgegengewirkt werden. Ein Wegbleiben der Fachkräfte im St. Dominic's Hospital Akwatia wäre fatal für die medizinische Versorgung der Bevölkerung in dieser Region.

Die weitere Unterstützung durch die EU-Länder ist  und  bleibt auf nicht absehbare Zeit erforderlich. Diverse Hilfsorganisationen leisten dazu wichtige uneigennützige Beiträge, und die entsendeten Freiwilligen können dabei selbst vielfältige  Erfahrungen sammeln.

 

 




Verfasser:
Dr. med. Jürgen Pfitzner

Rehabilitations-Fachklinik für Onkologie und Ganzheitsmedizin, Graal-Müritz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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