Einsatz in Afrika: Zwischen Drpression, Trauma und Malaria

Dr. Michael Scholten engagiert sich als freiwilliger Helfer bei Humedica – hauptberuflich ist er Oberarzt in der Johannesbad Fachklinik Saarschleife

 

Hurrikan „Matthew“ auf Haiti, Taifun „Nida“ in Hongkong, der Tsunami in Thailand, das Erdbeben in Nepal: Immer wenn Katastrophen gemeldet werden, rechnet Dr. med. Michael Scholten mit einer SMS. Denn der Oberarzt der Psychosomatischen Abteilung der Johannesbad Fachklinik Saarschleife engagiert sich ehrenamtlich bei der Hilfsorganisation Humedica. Diese sendet Ersthelfer in die betroffenen Regionen und organisiert humanitäre Einsätze auf der ganzen Welt. Neben den unkalkulierbaren Entsendungen nach Katastrophen gibt es Projekte, die längerfristig geplant werden. Dr. Michael Scholten bereitet sich beispielsweise bereits seit einigen Monaten auf einen Einsatz bei den Kara, einem Volksstamm in Südäthiopien, vor.  Am 7. November fliegt er für drei Wochen in das ostafrikanische Land, um dort die Einwohner und Humedica-Mitarbeiter zu behandeln und zu betreuen. Oleg Giese, Leiter der Johannesbad Fachklinik Saarschleife in Mettlach-Orscholz, stellt seinen Oberarzt dafür gerne frei.

 

Arbeiten ohne Infrastruktur

 

Die Kara sind ein Stamm von etwa 1.500 Menschen, die abgeschnitten von der Zivilisation im Grenzgebiet von Kenia, Sudan und Äthiopien leben. In dieser Gegend – zwei Tage mit dem Jeep von Adis Abeba entfernt – gibt es keinen Strom. Der Volksstamm kann auf keine medizinische Versorgung zurückgreifen. Die Ärzte und ihr Team behandeln dort Krankheiten, die es in westlichen Ländern kaum mehr gibt: Malaria, heftige  Durchfall- und Wurmerkrankungen, Lungenentzündungen, Tuberkulose, aber auch Verletzungen, Hautleiden und Schmerzbilder. Die ehrenamtlich tätigen Helfer verteilen Hilfsgüter und spenden Trost sowie Aufmerksamkeit. „Außerdem schulen wir die Menschen vor Ort in Hygienemaßnahmen, Ernährungsberatung und Infektionsschutz“, erklärt der Psychiater und Gynäkologe Dr. Michael Scholten, „denn viele der Einwohner in Südäthiopien sind unterernährt.“ Der Mediziner aus der Johannesbad Fachklinik Saarschleife ist auch als Psychiater gefordert. Sein Team aus sechs Krankenschwestern und Ärzten arbeitet am Fluss Omo, in dem viele Krokodile leben, unter schwierigen Bedingungen. Er ist überzeugt: „Das wird uns alle an unsere Grenzen bringen.“

Die Kara in Äthiopien bekommen medizinische Hilfe von Ärzten, die ehrenamtlich ihren Dienst leisten.

 

Hilfe zur Selbsthilfe statt High-Tech-Medizin

 

In einem solchen Einsatz seien Mediziner als „eierlegende Wollmilchsau“ gefordert, sagt Humedica-Pressesprecher Steffen Richter. Anders als in Äthiopien sei die Situation in einem akuten Katastrophenfall, führt Dr. Michael Scholten aus. Da breche in aller Regel die medizinische Grundversorgung zusammen. Lokale Hilfsorganisationen, mit denen Humedica zusammenarbeitet, müssten diese erst einmal wieder herstellen. „Die Leute vor Ort leisten viel“, weiß der Arzt und betont: „Wir kommen nicht als rettende Halbgötter in Weiß, sondern als Unterstützung.“ Die „High-Tech-Medizin“, wie sie der freiwillige Helfer nennt, sei im Krisenfall nicht gefragt. „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe, schaffen die grundsätzlichen Voraussetzungen, damit die Menschen vor Ort sich nach unserem Einsatz anschließend selbst versorgen können.“

 

Von Depressionen und gebrochenen Armen

 

Dr. Michael Scholten fühlt sich für diese ehrenamtliche Tätigkeit berufen. „Das ist für mich Sinn des Arzt-Seins. Denn Helfen ist die Grundlage des medizinischen Handelns“, sagt er schlicht. Während er in der Johannesbad Fachklinik Saarschleife Menschen mit Depressionen therapiert, leistet der Mediziner in Katastrophengebieten Basisarbeit bei körperlichen Verwundungen und Krankheiten: „Die haben niemanden, der den Arm schient oder eine Wunde näht“, sagt er und fügt an: „So hat jeder Kulturkreis seine eigenen Bedürfnisse. Und alle wollen gestillt werden.“

Für die Einsätze in Krisengebieten hat sich der Oberarzt neben seinem Beruf in der Johannesbad Fachklinik Saarschleife speziell weiter gebildet: Er hat ein Einsatztraining und eine Qualifizierung zum medizinischen Einsatzleiter sowie zum Medienkoordinator absolviert. So plant er Aktivitäten mit lokalen sowie internationalen Akteuren vor Ort, berichtet vom Einsatz über soziale Medien und liefert Fotos sowie Texte für die Pressearbeit. Auf http://blog.saarschleife.de berichtet er regelmäßig in einem Blog von seinem Einsatz bei den Kara.

 

Unterstützung beim Ehrenamt

 

Der Familienvater zeigt sich vor seinem ersten längeren Einsatz im November gelassen. „Ich habe keine Angst. Denn bei Humedica steht die Sicherheit an erster Stelle.“ Das Team hat eigene medizinische Versorgungsrucksäcke; im Vorfeld hat jeder Teilnehmer zahlreiche Evakuierungsübungen bestanden. „Außerdem meiden wir Einsätze in militärischen Gebieten“, erklärt Dr. Michael Scholten, dessen Frau und drei Kinder sein ehrenamtliches Engagement unterstützen. Auch Oleg Giese, Leiter der Johannesbad Fachklinik Saarschleife, schätzt die Tätigkeit. „Für Einsätze in Krisenfällen versuchen wir,  Dr. Michael Scholten möglichst jedes Mal freizustellen. Wir schätzen sein Engagement“, erklärt der Klinikleiter und ergänzt: „Denn auch unsere Patienten und die Kollegen profitieren von den Erfahrungen, die er vor Ort macht.“ Wird Dr. Michael Scholten spontan von der Hilfsorganisation angefragt, klärt er direkt mit Chefarzt und Klinikleiter der Johannesbad Fachklinik Saarschleife ab, ob er abkömmlich ist. „Mein Job geht vor. Nur wenn meine Kollegen für mich einspringen können, kann ich ins Krisengebiet reisen“, sagt der Mediziner.

Auch Dr. Michael Scholten behandelt ab 7. November die Menschen in Äthiopien

 

Quelle: Johannesbad Holding AG & Co. KG

Fotos: privat, Humedica

 

 

 

 

 

 

 

 

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