Dr. Peter Paes - UnrUhig wie zu Beginn

Die Klinik am Hellweg und Dr. Peter Paes waren mehr als 31 Jahre lang eine starke Einheit.

Nun verabschieden der Aufsichtsrat, die Geschäftsführung, sein Nachfolger Dr. Mario Broich sowie die zahlreichen Mitarbeiter der Klinik am Hellweg den ehemaligen Chefarzt und Ärztlichen Direktor der Saline in den „aktiven Ruhestand“.

 

Sein Vater wünschte sich für ihn eigentlich eine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr. Diesen Weg schlug er zunächst auch ein. Nach seiner Grundausbildung wechselt er in den Sanitätsdienst, absolvierte eine Pflegeausbildung im Sanitätsbataillon Marburg, wechselte an die Krankenpflegeschule in Hamm und schließlich zur Offiziersausbildung an die Sanitätsakademie der Bundeswehr in München. Ein ihm als Oberleutnant angebotenes Leistungsstipendium für das Studium der Humanmedizin lehnte er zunächst ab.

 

Zu seiner Berufung der Medizin fand er aber letztlich doch – über einen kurzen Exkurs in die Rechtskunde an der Universität Bonn.

Nach seinem Wechsel in die Medizinischen Einrichtungen der RWTH Aachen und Akzeptanz des Bundeswehrleistungsstipendiums absolvierte er dort das Hochschulstudium mit seiner erfolgreichen Approbation als Arzt.

 

Schon während des Studiums zeigte er größtes Interesse an orthopädischen und unfallchirurgischen Fragestellungen. Fasziniert von der Persönlichkeit und der Ausstrahlung seines Mentors, Professor Dr. Anton Hopf, folgte er diesem, nach dessen Emeritierung, an das Kreiskrankenhaus Marienhöhe in Würselen. Dort arbeitete er zunächst in der Allgemein- und schließlich in der Unfallchirurgischen Abteilung, übernahm als junger Assistenzarzt die Leitung einer septischen Station, wechselte erneut in die Orthopädie und begleitete dort die Einführung der damals revolutionären zementfreien Endoprothetik. Bei der nachfolgenden Abteilungsleitung, Professor Dr. Hans Walter Staudte, verblieb Dr. Paes aufgrund der nunmehr eingeführten Wirbelsäulenchirurgie noch ein weiteres Jahr, um dann zunächst als Privatassistent nach Aachen zurückzukehren.

 

Professor Dr. Jochen Ohnsorge, damaliger Ordinarius, stützte und förderte Dr. Paes sehr intensiv, begleitete seine Promotion und machte ihn aufgrund seiner besonderen manuellen Fähig- und Fertigkeiten vorgezogen zum Oberarzt. Dr. Peter Paes: „Mein besonderer Dank gilt den inzwischen verstorbenen Professoren Hopf und Ohnsorge für das Vertrauen, welches sie mir durch ihre stets begeisternden und motivierenden Anregungen und Kritiken und durch ihre immer präsente freundschaftliche Begleitung erwiesen haben.“

 

Mit dem „Doppelfacharzt“ Orthopädie und Rheumatologie und der Fachkunde Labormedizin, der Zusatzbezeichnung Badearzt und Physikalische Therapie eröffnete sich ihm der Zugang in die nicht-operative Orthopädie. „Die damalige Rehabilitationsmedizin war unstrukturiert. Jede Klinik bot eigene Konzeptionen, teils basierend auf persönlichen Erfahrungen, teils wissenschaftliche Grundlagen berücksichtigend. Ich war zum Teil sehr unzufrieden mit den Nachbehandlungsergebnissen der von mir operierten Patienten“, so Dr. Peter Paes.

 

Deshalb veröffentlichte Dr. Paes nach entsprechenden Diskussionen an der medizinischen Hochschule Aachen erste Leitlinien zur Nachbehandlung nach endoprothetischem Ersatz der Hüft- und der Kniegelenke und nach Eingriffen an der Wirbelsäule.

 

Noch während des Studiums lernte Dr. Paes seine Ehefrau Gabriele Paes, geb. Kürten, kennen und lieben. Nach nicht einmal einem halben Jahr wurde geheiratet. „Meine Frau hat mir immer den Rücken gestärkt und freigehalten. Dank ihres Hochschulstudiums als Sonderpädagogin gediehen auch unsere drei Kinder prächtig.“

 

Der Sohn tritt als angehender Orthopäde und Unfallchirurg in der Medizinischen Hochschule Hannover in seine Fußstapfen, die jüngste Tochter strebt eine wissenschaftliche Karriere in der Dermatologie in Hamburg an und die älteste Tochter hat erfolgreich als Volljuristin ihr Lebensziel gefunden.

 

1983 erhielt Dr. Paes ein erstes Chefarztangebot in Aachen. „Doch damals fühlte ich mich weder reif, noch erfahren genug für eine solche Tätigkeit“, sagt Dr. Paes über das damalige Angebot.

Nach einem weiteren Angebot entschied sich der 35-jährige Dr. Paes, den Ruf nach Bad Sassendorf anzunehmen. „Meine Frau und ich waren begeistert von dem sich bietenden Ambiente der Klinik und den offensichtlichen Zukunftsperspektiven dieser modernen Einrichtung. Für mich, der in dem Industriebau der Aachener Hochschule gearbeitet hatte, war die Klinik wie aus einem Bilderbuch“, erinnert sich Dr. Paes.

 

Aus der Kurklinik mit knapp 200 Betten wurde eine Schwerpunktklinik für Orthopädisch-Rheumatologische Rehabilitation mit zuletzt 320 Betten, eine der größten Schwerpunktkliniken in Deutschland. „Ich habe die erste durch den damaligen Gesundheitsminister Horst Seehofer ausgelöste Strukturkrise, damals sehr begrüßt. Denn wir mussten uns endlich von einer klassischen Kurortmedizin zu einer modernen Rehabilitationsmedizin entwickeln, um zu überleben. Kliniken, die sich dieser modernen Entwicklung verweigerten oder den Anschluss verpassten, verschwanden damals vom Markt.“

 

Die Differenzialdiagnostik und die Differenzialtherapie wurden ausgebaut und begründeten den hervorragenden Ruf der Klinik am Hellweg. Die modulare Schmerztherapie wurde gemeinsam mit Dr. Weißbrod etabliert und das Arbeitsplatzsimulationssystem ERGOS eingeführt (Simulation von Arbeitsabläufen konkret an den besonderen individuellen Arbeitsbelastungen orientiert).

 

Durch seine Mitgliedschaft in verschiedenen Ausschüssen und Arbeitskreisen, wie der Reha-Kommission des Verbandes Deutscher Rentenversicherer, wurden frühzeitig Kontroll- und Qualitätssicherungsverfahren in die Klinik am Hellweg eingeführt sowie wissenschaftlich begleitet ambulante und teilstationäre Verfahren erprobt.

 

In der Vorbereitung des Sozialgesetzbuches IX war Dr. Paes über Jahre eng eingebunden und konnte seinen besonderen Erfahrungsschatz in diese Gesetzesgestaltung einbringen.

 

Seit über 15 Jahren ist er berufenes Mitglied der Gutachterkommission der Ärztekammer und Prüfungsarzt für angehende Fachärzte für Orthopädie, Rheumatologie sowie für den Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin.

 

„Der Ruhestand kommt mir noch zu früh. Den Keller kann ich auch später noch aufräumen.“ Deshalb wechselt Dr. Paes ab Oktober 2016 in seine Privatpraxis im Eingangsbereich des Diagnose- und Therapiezentrums/Kurmittelhaus in Bad Sassendorf. Hierbei verfügt er auch über 10 Belegbetten in seiner alten Klinik. „Ich freue mich auf diese neue Herausforderung und, dass ich mit all meinen Erfahrungen meine Patienten noch eine Zeit lang begleiten darf.“

 

„Für seine innovative Arbeit und sein Gespür für die Bedürfnisse der Patienten sowie für das ausgesprochen große Engagement für die Belange der Klinik am Hellweg möchten wir uns bei Dr. Peter Paes von Herzen bedanken“, so Egbert Teimann, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. „Bis heute spürt man an allen Orten wie viel ihm an der Klinik am Hellweg liegt, wie viel Herzblut er hier investiert hat! Wir - der Aufsichtsrat - wünschen ihm und seiner Familie für seine weiteren Pläne alles erdenklich Gute.“

 

Die alleinige medizinische Führung der Klinik am Hellweg übernimmt ab Oktober 2016 Chefarzt Dr. Mario Broich.

 

v.l.n.r. Malte Dahlhoff (Bürgermeister, Bad Sassendorf), Stephan Eydt (Geschäftsführer), Dr. med. Peter Paes (Ärztlicher Direktor der Klinik am Hellweg), Dr. med. Mario Broich (Chefarzt der Klinik am Hellweg), Egbert Teimann (stv. Aufsichtsratsvorsitzender) und Thomas Meierfrankenfeld (Verwaltungsleiter der Klinik am Hellweg)

 

 

Quelle Text und Bild: Westfälisches Gesundheitszentrum Holding GmbH

 

 

 

 

 

 

 

© Medizinische Medien Informations GmbH | Am Forsthaus Gravenbruch 7 | 63263 Neu-Isenburg